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12.02.2014

"Lieben" – ein Phänomen: Buchtipp zum Valentinstag

Erfrischend und behutsam schreibt der Theologe Franz Gruber über das Menschheitsthema Liebe. Buchtipp zum Valentinstag.

Was geschieht da eigentlich, wenn zwei Menschen sich verlieben? Wenn sie erkennen, dass sie einander lieben? Woher dieses intensive Gefühl? Warum gerade dieser Mensch? Liebende können dazu vieles erzählen. Eine letzte Antwort auf die Frage, was die Liebe ist, vermögen sie nicht zu geben.

 

Auch das Buch von Franz Gruber – er ist katholischer Theologe und lehrt an der Universität Linz - gibt keine Antwort, sondern beschreibt die Facetten des Phänomens. Als Titel wählt er wohl bewusst das Tätigkeitswort "Lieben". Zu lieben bedeutet, einander zu erwählen, einander zu begleiten, zu beleben, zu verwandeln. Im Lieben gibt es Paradoxien und Abgründe, Irrwege und Verletzungen. Im Lieben werden wir konfrontiert mit Scheitern und Abschiednehmen. Ausgehend von diesen Facetten führt das Buch immer wieder Schlüsselszenen aus Literatur und Film vor Augen, die zeigen, dass die Liebe ein Menschheitsdrama ist.

 

Erkennen - mit Herz und Hirn

In der Bibel steht für "lieben" oft das hebräische Wort "jada", das heißt "erkennen". Gemeint ist ein ganzheitliches Erkennen, das Vernunft, Gefühl und Wille, Leib und Seele umfasst. Darum ist auch die sexuelle Begegnung in der Bibel ein "Erkennen".

 

Viele Erkenntnisse aus der Psychologie lässt Franz Gruber in sein Buch einfließen: Lieben - im Sinn von erkennen - führt auch dazu, anzuerkennen, dass eine Beziehung nicht alle Sehnsüchte erfüllen kann, dass die Liebenden einander in bestimmter Hinsicht auch fremd und verschlossen bleiben. Und, dass lieben zur herausfordernden Frage führt: Wer bin ich eigentlich selbst?

 

"Theologie des Liebens"

Es ist kein psychologischer Ratgeber, aber auch keine theologische Abhandlung, die der Autor vorlegt. Es ist eine "Theologie des Liebens", eine erfrischende und behutsame Annäherung an etwas Unfassbares.

 

Die theologisch stärksten Kapiteln sind die beiden letzten: Sterben und Heilen. Der Tod, so Franz Gruber, ist der "lauernde Schatten der Liebe" und die moderne evolutionäre Sicht des Lebens erlaubt uns keinen Trost. Den Tod empfinden wir gerade bei jenen Menschen am schlimmsten, die wir lieben. Gleichzeitig ist der Tod jenes Faktum, das die Frage aufwirft: Gibt es eine Hoffnung, die stärker ist als der Tod, und stärker als menschliches Lieben?