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20.11.2013

"Colloquium Syriacum" über "Kultur der Koexistenz" in Nahost

"Pro Oriente"-Kongress startet mit Fürbittgebet für entführte Metropoliten von Aleppo und thematisiert Religionsfreiheit angesichts von Fundamentalismus.

"Für eine Kultur der Koexistenz in pluralistischen Gesellschaften im Nahen Osten und in Indien" lautet das Thema der am Dienstag, 19. November 2013, im Wiener Pallotti-Haus eröffnete 4. "Colloquium Syriacum". An dem Kongress der Stiftung "Pro Oriente" nehmen Vertreter aller Kirchen der syrischen Tradition teil, außerdem führende Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus Österreich, Großbritannien, den USA, Israel und den Niederlanden. Die Tagung begann mit einem Fürbittgebet für die beiden entführten Metropoliten von Aleppo, Mar Gregorios Youhanna Ibrahim (syrisch-orthodox) und Boulos Yazigi (griechisch-orthodox).

 

Das Tagungsthema geht auf eine Anregung von Mar Gregorios zurück, der seit vielen Jahren eng mit "Pro Oriente" verbunden ist. Die in Wien versammelten Experten befassen sich unter anderem mit der Frage des Fundamentalismus, mit der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung, mit der Religionsfreiheit als zentralem Menschenrecht und mit der "Kultur der Zusammenarbeit".

 

Marte: "Sorge um Christen im Nahen Osten"

"Pro Oriente"-Präsident Johann Marte unterstrich bei der Eröffnung die "ungeheuren Schwierigkeiten und existenziellen Bedrohungen", mit denen viele der Bischöfe und Theologen aus dem nahöstlichen Raum konfrontiert sind. Umso mehr sei es zu bewundern, dass sie nach Wien gekommen seien. "Pro Oriente" sei vor nahezu 50 Jahren von Kardinal Franz König in Solidarität mit den damals von den kommunistischen Regimen hinter dem Eisernen Vorhang unterdrückten orthodoxen Christen begründet worden. Heute sehe die Stiftung "mit Sorge und Schmerz", was im Nahen Osten geschehe.

 

"Pro Oriente" lässt sich nicht entmutigen

Symptomatisch für dieses Geschehen sei die Entführung der beiden Metropoliten von Aleppo am 22. April. Dieses "schreckliche Ereignis" überschatte seither die ganze Arbeit der Stiftung "Pro Oriente", die sich dennoch seit Monaten für die Freilassung der beiden Kirchenvertreter einsetze. So sei am 9. September eine gemeinsame Erklärung von Kardinal Christoph Schönborn und sechs nahöstlichen Patriarchen veröffentlicht worden, in der nicht nur die sofortige Freilassung der beiden Metropoliten, sondern auch Gleichberechtigung für die Christen im Nahen Osten gefordert wurde. Bisher freilich umsonst, wie Marte bedauerte. Aber "Pro Oriente" lasse sich nicht entmutigen und werde gemeinsam mit anderen christlichen Organisationen am 10. Dezember - dem Jahrestag der Proklamation der Menschenrechte - in Wien auf die Straße gehen, um Solidarität mit den verfolgten Christen einzufordern.

 

Weitere Veranstaltungen des "Colloquium Syriacum"

Am Mittwoch, 20. November, berichten zwei Teilnehmer des "Colloquiums" - der maronitische Erzbischof von Beirut, Boulos Matar, und der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo - um 19.30 Uhr bei einer öffentlichen Veranstaltung im Raiffeisen-Forum (1020 Wien, Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1) über die Situation der Christenheit im Nahen Osten "zwischen Hoffnung und Chaos". Moderator ist der Salzburger Kirchenhistoriker und Nahost-Experte Prof. Dietmar Winkler.

 

Erzbischof Matar feiert am Freitag, 22. November, aus Anlass des libanesischen Unabhängigkeitstages um 19 Uhr in der Ruprechtskirche die Heilige Messe im maronitischen Ritus.